Wann Scrum einsetzen

Gibt es Argumente, wann Scrum eingesetzt werden kann und wann nicht? In welchen Situationen sind klassische Entwicklungsmethoden, wie zum Beispiel, die Wasserfall-Methode, besser geeignet?

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Schauen wir uns den klassischen Wasserfall als Entwicklungsmethode an. Nehmen wir an, ein Kunde kommt zum Hersteller und sagt, ich hätte gerne ein Produkt das die Eigenschaften A, B und C beinhalten soll.

Der Wasserfall

Aus dieser klaren Vorstellung des Kunden heraus erstellen die Analysten einen Katalog mit Anforderungen. Ist dieser Katalog erstellt und mit dem Kunden abgestimmt, wird ein Lieferdatum vereinbart. Dann wird der Anforderungskatalog in die Produktion übergeben und die Herstellung beginnt.

Besser Agile mit Scrum?

Ist das Produkt getestet und auslieferbar, wird es dem Kunden übergeben. Dieser prüft, ob das Produkt die geforderten Eigenschaften beinhaltet. Ist alles in Ordnung, nimmt der Kunde das Produkt ab und bezahlt die Rechnung. 


Diese Vorgehensweise wird auch BigBang-Lieferung genannt. Für diesen Fall ist die Wasserfall-Methode gut geeignet. Der Kunde kennt die Eigenschaften seines Produktes ganz genau und ist bestenfalls für marginale Verbesserungsvorschläge empfänglich. Es ist also für alle Beteiligten klar, wie das Produkt beschaffen sein muss. Der Lösungsweg ist sichtbar.


Kommt aber ein Kunde zum Hersteller und sagt: “Ich möchte einen Fluss überqueren. Ich weiß nicht wie, aber wichtig ist für mich, dass ich trockene Füße behalte.“


Alles was der Kunde weiß, ist das er ein Transportmittel benötigt um von einem Ufer zum anderen zu gelangen. Dabei ist es völlig offen, welche Beschaffenheit dieses Transportmittel haben soll. Es ist nicht klar, ob es ein Floss, eine Brücke oder sogar ein Katapult sein soll.

Ziele unklar

In diesem Fall sind die Anforderungen völlig unklar. Nur das Ziel ist bekannt: Der Kunde möchte über diesen Fluss und möchte trockene Füße behalten. Man könnte dieses Ziel auch Vision nennen. 

Fakt ist: Der Kunde weiß nicht was für ein Produkt er will. Nur der Nutzen, das Ziel, “mit trockenen Füßen über den Fluss kommen” ist bekannt.

Unter diesen Voraussetzungen ist der Einsatz einer agilen Vorgehensweise ideal. Denn agile Vorgehensweisen, wie Scrum, verlangen nicht die Vollständigkeit der Anforderungen für das fertige Produkt. Agile Vorgehensweisen tasten sich in Iterationen, inkrementell an das Ziel heran. Dabei wird der Soll- und Ist-Zustand im Sinne von Inspect & Adapt, regelmäßig abgeglichen. 

Änderungen unumgänglich

So kann auf Änderungswünsche schnell reagiert werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn dem Kunden mitten in der Entwicklung einfällt, dass er zu jeder Zeit bestimmen möchte, an welcher Stelle des Ufers er ankommen möchte und eine Art Steuer benötigt.

Um unter diesen Rahmenbedingungen erfolgreich zu arbeiten, sind 2 Voraussetzungen notwendig.

Voraussetzungen für Scrum

Die erste Voraussetzung ist die enge Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber, Anwender, Auftragnehmer und dem Herstellungsteam. Weil die Anforderungen nicht im Voraus bekannt sind, müssen diese Schritt-für-Schritt während des Entwicklungsprozesses gefunden werden. 

Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Stakeholdern - Stakeholder sind die Personen, die ein berechtigtes Interesse am Ergebnis haben, und den Entwicklern, ist unumgänglich. Denn um das Produkt zu entwickeln, muss eine stete Diskussion darüber entstehen, wie das Produkt beschaffen sein soll.

Scrum liebt Veränderung

Die zweite Voraussetzung ist, dass das Entwicklungsteam auf Veränderung eingestellt sein muss. Denn zu jeder Zeit sind Änderungen möglich, die vom Entwicklungsteam akzeptiert und umgesetzt werden müssen.

In der Praxis hat die agile Vorgehensweise einige Hindernisse zu bewältigen. Wesentliche Hindernisse sind:

Hindernisse

  • Die Unternehmensphilosophie oder -kultur steht im Widerspruch zu den zentralen agilen Werten. 
  • Es besteht mangelnde Erfahrung mit der agilen Methode
  • es gibt nur mangelnde Unterstützung des Managements
  • Es formiert sich allgemeiner organisatorischer Widerstand gegen die anstehenden Veränderungen.

Wenn eine Organisation gegen Veränderung resistent ist, funktioniert die agile Einführung nicht. Lassen sich die Hindernisse nicht beseitigen, dann ist es besser traditionelle Verfahren, anstelle von agilen Methoden anzuwenden.

Fazit

Halten wir fest: Wenn die Anforderungen zu Beginn einer Produktentwicklung nicht vollständig bekannt sind, ist der Einsatz einer agilen Entwicklungsmethode sinnvoll. 

Sind die Anforderung hingegen klar und zu Beginn der Entwicklung vollständig beschrieben, ist es oftmals besser auf eine klassische Entwicklungsmethode, wie z.B. die Wasserfall-Methode, zurückzugreifen.

Über den Autor

Frank Schatz

Wertschätzend. Motivierend. Polarisierend. Einer der führenden T-Shaped Agilisten im deutschsprachigen Raum. Seit über 25 Jahren IT-Unternehmer und Agile Work Experte dem, auf seinem Fachgebiet, kaum jemand etwas vormacht.

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